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Weihnachtsansprache

Weihnachtsansprache

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23. Dezember 2014
Blogbeitrag von Oliver Bayer
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Liebe Fraktion, liebe Piraten, hallo Welt,

Euch vielen Dank für das schöne Jahr 2014!

Wir haben in diesem Jahr zusammen eine Menge geschafft, viel verändert, einiges erreicht. Lasst uns 2015 auch darüber reden. „Tue Gutes und rede darüber“ ist ein vielleicht konventioneller aber sicherlich guter Vorsatz für 2015. :)

Wir haben in 2014 unsere gute Arbeit fortgeführt und ein paar Früchte geerntet, wir haben Neues begonnen – u.a. natürlich die ÖPNV-Enquete ;-) – und Grundsteine dafür gelegt, dass wir nach noch mehr Arbeit noch mehr Früchte ernten können. Wir haben aber auch einfach mal experimentiert und geschaut, was dabei herauskommt. Für Experimente sind wir hier und Experimente scheitern öfter als sie Erfolge bringen. Sie sind aber nötig, um Voranzukommen und etwas zu Ändern. Unsere Erfolgsquote für Experimente war 2014 gar nicht so schlecht, aber womöglich haben wir zu sehr auf die Quote – also kleinere Experimente – und zu wenig auf die Chancen gesetzt, die mit einem höheren Risiko dahergehen. Mehr Experimente und höheres Risiko: Das wäre mein zweiter Vorsatz für 2015.

Authentisch bleiben ist mein dritter Vorsatz für die Fraktion.
Identität ist mehr als warme Farben. Lasst uns nicht die Fehler der FDP machen, die versucht in der Optik zu kitten, was über Jahrzehnte gewachsen ist. Die FAZ schreibt zur FDP: „Nur Opel hatte bis vor dem Relaunch mit der Kampagne „Umparken im Kopf“ wohl einen ähnlich schlechten Ruf in Deutschland.“ Und was ist mit dieser Kampagne „Umparken im Kopf“? Sie ist nett, passt aber nicht zur Marke und ist völlig unglaubwürdig, da sofort auffällt, dass hier alte Autos mit Argumenten verkauft werden sollen, die eigentlich in eine ganz andere Richtung führen. Schlechtes Vorbild, FDP.

Die Frage nach dem, was authentisch für uns ist, darf durchaus diskutiert werden. Die Welt ändert sich fortwährend, wir sind eine Partei der Veränderungen und eine Partei, die das Leben mit Wandel immer wieder thematisiert; und auch Piraten sind von Wandel nicht ausgeschlossen. Ich glaube dennoch, dass wir – im Gegensatz zu den meisten anderen neuen Parteien – eben nicht ein Auffangbecken für alles sind, sondern feste Grundwerte haben.

Die Australische Piratenpartei bringt ihre Werte auf nur drei Worte: „Freedom. Democracy. Science.“. Für die Deutsche Piratenpartei interpretiert, würde ich „Freiheit. Fortschritt. Für alle.“ daraus machen. Die individuelle Freiheit des Menschen (vor der Freiheit der Rendite, was uns zu Humanisten aber nicht zu Antikapitalisten macht), der stete Blick auf und Umgang mit Fortschritt und Wandel („weiter so“ ist für uns keine Option, wenn sich Gesellschaft und Technik verändern) und die Teilhabe aller Menschen (aber welcher Mensch verwendet schon den Begriff „Teilhabe“? Also: „für alle“) am Leben auf unserem Planeten liegen uns am Herzen.

Wenn Ihr Weihnachten feiert, dann füge ich hinzu: Das sind tatsächlich sehr christliche Werte. Einfach so vom Umgang von Menschen miteinander. Wer bei der Brotvermehrung Brote und Fische raubkopiert, erfreut nicht die Bäckerinnung, ernährt aber die Menschen.

Diese Werte werden durch den Schmutz gezogen und getreten, wenn das Christentum missbraucht wird, um gegen andere Menschen zu hetzen. Wer christliche Werte verteidigen will, der liebt alle Menschen, begegnet ihnen ohne Vorurteile und mit Hilfsbereitschaft.
Wer darüber hinaus meint, auch die christliche Kirchenkultur retten zu müssen, der tut das am besten, indem er auch außerhalb der Weihnachtsmesse in die Kirche geht und dem Wirken der Kirche Tatkraft und Geld spendet. Kreuzzüge und Pegidas führen ganz sicher nicht zu christlichen Werten oder die Menschen in die Kirche.

Ich bin daher froh, dass Piraten angesichts der kleinen aber medial starken Pegida-Bewegung  nicht von „wir müssen jetzt die Bürger ernst nehmen“ sprechen, wie es CDU, CSU, SPD und Grüne derzeit tun. Diese hohle Phrase eiert rum und nimmt überhaupt nichts ernst.
Hier unterstützt mancher Politiker passive Ängste, wo es doch an jedem Menschen selbst liegt, die Werte, die ihm wichtig sind, durch sein Handeln in die Gesellschaft einzubringen.

Wenn es aber konkrete Bürgerinteressen gibt, die die Politik direkt angehen, dann ist es für andere Parteien schnell vorbei mit dem „erst nehmen“. Das habe ich in meinem Fachbereich erst heute wieder in der Presse lesen können Brücke Leverkusen: „hätten lediglich die Piraten reagiert“ – und selbst bei größeren Gruppen Betroffener Semesterticket: „Nur die Piraten haben Interesse bekundet“ – wird ein Thema einfach liegengelassen, wenn es zu anstrengend wird.

Ich wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest, wenn Ihr wollt auch Pastafeierlichkeiten, wunderbare Feiertage, erholsame Jahresendzeiten und einen bunten Start in ein verdammt fantastisches, glückliches und auch erfolgreiches neues Jahr 2015.

Alles Gute

Oliver Bayer

P.S.: Wer sich nerdmäßig erholen aber dann doch wachgerüttel werden will:
Kaufe und spiele das Computerspiel This War of Mine (Thematik: Zivilisten im Krieg).