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Ich fordere das Ende der Utopielosigkeit in der Politik!

Ich fordere das Ende der Utopielosigkeit in der Politik!

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10. April 2017
Allgemein, Blogbeitrag von Oliver Bayer, Reden
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Erst wenn der letzte Braunkohlebagger das Rheinische Revier verlassen hat; erst wenn die Folgekosten des Braunkohletagebaus mal ausgerechnet sind; werdet Ihr merken, dass es nicht Glücklich macht, 40 Jahre lang Wasser in ein Loch laufen zu lassen.

Wenn sich Politiker und Wirtschaftsvertreter darüber Gedanken machen, wie die Welt von Morgen aussehen könnte, dann sind selbst notwendige Veränderungen für sie meist „unrealistisch“ und „utopisch“, d.h. politisch unerreichbar: eine smartgerechte Verkehrswende (oder gar Bus und Bahn fahrscheinfrei), freies Wissen, faire Steuersysteme. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen liegt scheinbar weit jenseits aller Möglichkeiten.

Interessant wird es, wenn sich klassische Politiker selbst auferlegen, weit in die Zukunft zu denken und einen ganzen Landstrich neu zu erfinden. Wie im demnächst ehemaligen Braunkohlegebiet Nordrhein-Westfalens: dem Rheinischen Revier.

Zwar kämpft hier Rot-Grün noch immer für ein Braunkohle-Verstromungs-Schutzgebiet, anstatt über ein Braunkohleausstiegsgesetz nachzudenken, aber alle Parteien wissen natürlich, dass sie sich Gedanken über die Zeit nach der Braunkohle machen müssen. Sie denken dann vor allem wirtschaftlich. In vielen Sitzungen und Arbeitsgruppen entstand so der Traum nach Arbeitsplätzen im Energiesektor und in der Logistikbranche.

Wie einfallslos. Jede Region sieht Ihre Zukunft in der Logistikbranche. Etwas Mutloseres und Aussichtsloseres kann ich mir kaum vorstellen.

Dieses Silicon-Valley-Feeling, das man gerne hätte. Dieser Nährboden für große Kreativität, neue Ideen und StartUps, die später zu Giganten werden. DAS entsteht niemals, in dem man auf Nummer Sicher geht, indem man kein Risiko eingeht und nichts wagt, was mit der Standardpolitik bricht.

Politiker sind keine Manager. Sollten keine Manager sein. Vor allem aber darf eine Bundeskanzlerin oder eine Ministerpräsidentin keine Verwalterin sein, die die Zukunft des Landes irgendwie im Best-Practice-Verfahren aushandelt. Sie muss Utopien aufbauen.

Ohne Utopien gibt es keine positive Zukunft, die als Ziel vor einem liegt; die es zu erreichen gilt. Utopielosigkeit in der Politik führt zu Depressionen. Aus Mangel an Utopien und Perspektiven entstehen Resignation, Frust, Wut, Gewalt, Protektionismus, Abgrenzung und Krieg.

Politik heute will so allerhand Dystrophien stoppen: Den Klimawandel, die Finanzkrise, Terror, Hass, kaputte Brücken, bedrohliche Zuwanderung, wirtschaftlichen Abstieg. Wenn aber die schönste politische Vorstellung von der Zukunft, die ist, dass es nicht noch schlimmer wird, dann ist das eine politische Sackgasse.

Dann überdeckt Zynismus den politischen Alltag und jeder Schritt wird zur mühsamen Kraftanstrengung. Dann herrscht Hoffnungslosigkeit.

Wer ohne eine erstrebenswerte Zukunft lebt, lebt in Depression. Egal wie gut die Alltagspolitik sein mag. Auch ein gutes Bildungsprogramm oder eine ordentliche Familienpolitik ersetzen keine Utopie. Völlig egal, was gerade „wichtiger“ wäre oder nicht: Utopien werden in der Politik gebraucht!

Utopien machen nicht nur Sinn. Sie bringen Sinn. Utopien sind das Lebenselixier jeder erfolgreichen politischen Epoche.

Die wichtigste Zeit für politische Utopien, ist im aktuellen System die Zeit zwischen den Wahlen und der ersten Plenarsitzung. In dieser Zeit entscheidet sich, ob die nächste Legislaturperiode einfallslos, mutlos und uninspiriert wird, oder ob wir für NRW Spannendes erwarten können.

Der Psychologe Christian Kohlross stellte fest: „Die Symptome von Utopielosigkeit sind die gleichen wie die einer agitierten Depression: ängstliche Unruhe, ein gesteigertes mediales Mitteilungsbedürfnis, eine notorische Unzufriedenheit und Hoffnungslosigkeit.“

Wir bemerken diese Symptome in NRW. Aber das hat NRW gar nicht verdient. Lassen Sie uns das Mantra der Alternativlosigkeiten abstreifen. Lassen Sie uns die Utopielosigkeit der Politik in NRW beenden. Neues wagen, Risiken erlauben und die oft beschworene Kultur des Scheiterns ernst nehmen. Gerade in der Politik. Die Kultur des Scheiterns gilt für StartUps und Unternehmen aber noch viel mehr für die Politik.

Für ganz NRW habe ich noch eine schlechte Nachricht: Wir können nicht zurück in die 90er. Die gute Nachricht: Es gibt gar keine final erreichbare Utopie, nach der alles nur wieder schlechter werden kann. Das Ende der Geschichte ist ein Märchen.

Ich verlange daher von allen Politikern und Parteien nicht mehr und nicht weniger als utopische Politik.

Ich fordere das Ende der Utopielosigkeit!

Das Leben in NRW braucht Utopien!

 



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