Pages

Categories

Suche



2012-11-07

Tourismus in Nordrhein-Westfalen vernetzen und unterstützen

Plenarprotokoll der Rede

Videomitschnitt der Rede

Oliver Bayer (PIRATEN): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Stream-Zuschauer. Der Antrag fordert einen erneuten Zugang zum EFRE-Programm im Jahr 2014. Das ist zwar bisherige Praxis und verschaffte vielfach eine gute finanzielle Ausstattung; wir geben jedoch zu bedenken: Das wäre Gießkannenförderung, bei der alles und gleichzeitig nichts gefördert wird. Daher werden die Förderbedingungen ja gerade umgestellt. Die ELER-Fonds passen schon etwas besser.

Wir haben eben gehört: Tourismusförderung ist Nichtraucherförderung, und NRW liegt nicht am Meer. Seinen Schwerpunkt legt der Antrag jedoch auf unbestimmt formulierte Aspekte der Nachhaltigkeit, möchte hier wohl die Akteure sensibilisieren. Warum auch nicht? Die Förderung der Nahmobilität – eigentlich sind Fahrräder gemeint – ist SPD und Grünen sehr wichtig. Gerade mit der Nähe zu den Niederlanden und mit Städten wie Münster macht das touristisch auch Sinn. Fahrräder in Bahnen mitnehmen zu können muss generell besser funktionieren, nicht nur für Touristen.

Ich sehe in dem Antrag die Tendenz, Infrastruktur statt Werbemaßnahmen zu fördern – im Gegensatz zu 2009. Das lässt sich weiterführen: Städtetouristen und Geschäftsleute bewegen sich lieber mit guten öffentlichen Verkehrsmitteln fort als mit Fahrrädern. Was gefällt diesen Zielgruppen auch? – Öffentliche WLAN-Netze für Touristen und Geschäftsreisende. Die ständige Nutzung des Smartphones zur dynamischen Reiseorganisation wird für viele Touristen immer wichtiger. Dazu gleich noch ein Vorschlag.

Ob man allerdings zur entsprechenden Schwerpunktsetzung neue Marken braucht? – Branchenintern wirkt die Einführung einer Marke NRWNATUR vermutlich motivierend. Insgesamt ist die Markenfamilie eine gute Basis für die Zukunft und alle Aktivitäten der Akteure. Mehr aber auch nicht!

Im Antrag von CDU und FDP aus dem Jahre 2009 trug der Tourismussektor noch 3 statt 3,5 % zum Volkseinkommen bei und es gab 41,5 statt mehr als 44 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Ist wirklich die Umsetzung des Masterplans Tourismus dafür verantwortlich? – Alle haben die ungeheure, schwer zu fassende Vielfalt NRWs beachtet, sowohl die Vielfalt der Tourismusräume als auch die Vielfalt der Zielgruppen erkannt und alles in eine moderne, solide aufgeräumte Kampagne gepackt.

Aber: Nehmen wir einmal an, wir hätten 100 Leute gefragt: Mit welchem Claim wirbt NRW um Besucher? – Top-Antworten vielleicht: „Wir in NRW!“ – „Unser Nordrhein-Westfalen. Zusammen. Stark.“ – „Dein NRW“ kennt man eher nicht. Tourismusmarketing eng mit Standortmarketing zu verknüpfen, ist gut und wichtig. Bereits der Masterplan und der Antrag aus dem Jahre 2009 forderten die Verzahnung, und zwar nicht nur auf internationalen Märkten. Ich verzahne einmal: Jeder kennt: „Wir können alles – außer Hochdeutsch!“ – Aber: „Dein NRW“ kennt man eben nicht.

Unser Problem ist die fehlende Sichtbarkeit der Markenoffensive. Möglicherweise fehlen kreative Werbeideen und Witz. Dafür benötigt man vor allem aber auch ein deutlich höheres Budget, viel mehr Ressourcen für eine große, teure Medienkampagne. Es fehlen darüber hinaus Zusatznutzen, Killer-Features für die Touristen.

Vielfalt und Bündelung sind gut. Dennoch muss die Bündelung einen Mehrwert bieten. Es gibt für den Endbenutzer keinen Grund, das Webportal „NRW-Tourismus“ zu besuchen. Sehr viel Geld für ein nicht genutztes Webangebot. Jede noch so gut durchdachte Kampagne bringt nichts, wenn sie niemanden erreicht.

Vielleicht brächte eine Konzentration auf B-2-B mehr.

Eine generelle Forderung der Piraten könnte jedoch beide Probleme elegant angehen: Mithilfe der guten Ausgangsposition – auch dank des Masterplans „Tourismus“ – lässt sich über Öffnung Multiplikation erreichen. Open Data ist auch hier das Stichwort. Alle Daten einfach öffentlich anbieten! Wäre es nicht schön, mehr als nur einen oder wenige Kanäle zu haben, um Inhalte und Image transportieren zu können, also nicht nur die eigene Webseite?

Die Freigabe aller Informationen und die Zurverfügungstellung der Rohdaten und das Angebot einer kostenlosen Api würde es anderen Websites, Informationsportalen und vor allem auch App-Entwicklern ermöglichen, Inhalte zum Vorteil NRWs zu verbreiten. Das wäre im Vergleich zu einer großen Medienkampagne übrigens sehr kostengünstig.

Sowohl mit den touristischen Infos und Daten, die vom Portal „nrw-tourismus.de“ etc. verwendet werden, als auch mit den bisher nur für Mitglieder zugänglichen Marktforschungsdaten der Marktforschungsoffensive ließe sich sicherlich wesentlich mehr machen, als mit den derzeitigen Ressourcen möglich ist. Es handelt sich im Wesentlichen schließlich um Daten, deren Erhebung mit staatlichen Mitteln bezahlt wurde. Die Bürger NRWs bezahlen die Informationen. Dann dürfen diese Informationen nicht exklusiv sein. Das gilt für die Wissenschaft – Thema „Open Access“ –, das gilt für Fahrplandaten im ÖPNV, und das gilt auch hier.

(Beifall von den PIRATEN)

Vielleicht erhält NRW im Sinne des Privilegs des frühen Vogels deutlich mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung, weil NRW diesen Schritt vor den anderen Bundesländern geht. Vielleicht werden viele Smartphone-Apps aufgrund der NRW-Daten kreativ, und vielleicht werden dann andere Bundesländer zum Nachziehen bewegt. – Herzlichen Dank.

(Beifall von den PIRATEN)

Vizepräsident Oliver Keymis: Vielen Dank, Herr Bayer.

Antrag
der Fraktion der SPD und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache 16/1260



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*